Man bezeichnet als Tracht ein typische Kleidungsstücke einer Region oder eines Volkes, die zu einer bestimmten Zeit, oder von einer bestimmten Klasse getragen werden. Eine Volkstracht ist darüber hinaus Ausdruck von Glaube, Wohlstand und Kultur eines Volkes. Um die Tracht einer Region zu untersuchen muss man die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse seiner Bevölkerung im Laufe der Geschichte betrachten, denn in der Tracht spiegeln sich eine Reihe von Aspekten:
- Filosofische Die Strenge der Regeln sowohl bei der Herstellung als auch beim Gebrauch der Tracht. Abhängig von Konfessionszugehörigkeit und staatlicher Kleiderordnung.
- Ökonomische Die Möglichkeit mehr oder minder wertvolle Materialien, mehr oder weniger Stoff zu verwenden. So war die Tracht immer ein Ausdruck des sozialen Status ihres Trägers.
- Historische Invasionen und andere Kulturelle Beeinflussungen von Aussen und der Wiederstand, der diesen Einflüssen entgegengesetzt wurde.
- Modische Selbst wenn die Trachten keinen jährlichen Zyklen unterworden waren, so wurden doch im Laufe der Zeit manche Stücke abgelegt und andere nahmen ihren Platz ein.
- Geografische Die Schwierigkeit an fremdländische Produkte zu gelangen
- Technologische Was waren die Handwerklichen und Industriellen Möglichkeiten der Zeit
- Klimatische Anpassungen der Tracht an Witterungs und Arbeitsverhältnisse
All diese Punkte lassen sich gut auf die deutschen Volkstrachten anwenden. Da Deutschland eine relativ junge Nation ist - die ersten deutschsprachigen Auswanderer in Blumenau stammten noch aus verschieden Königreichen und Fürstentümern - existieren sehr viele und starke Regionalismen. So war eine Tracht immer nur für eine sehr kleine Region, meist ein oder zwei Landkreise, gültig und deshalb lieferte die Kleidung dem kundigen Betrachter eine Vielzahl von Informationen. Sie zeigte deutlich an
- aus welcher Region die Tracht stammt
- aus welchem Dorf der Träger/die Trägerin stammt
- die augenblicklichen wirtschaftlichen Verhältnisse
- die soziale Stellung innerhalb der Dorfgemeinschaft
- den Personenstand (ledig, verheiratet, verwitwet, verwitwet und heiratswillig)
- die Trauerstufe (Voll-, Halb-, Vierteltrauer, Freudenzeit)
- den Anlaß (Abendmahl, sonntäglicher Kirchgang, gewöhnlicher Sonntag, Hochzeit, Kommunion, Konfirmation, etc.)
Aus diesem Grunde hatten die verschiedenen deutschen Auswanderer nach ihrer Ankunft in Brasilien auch keine verbindende Nationaltracht. Sie kamen entwerden “modern” gekleidet oder mit einer Tracht, die in ihrer neuen Heimat keine Ausdruckskraft mehr hatte.
Durch die wachsende Aktivität der Volkstanzgruppen, wuchst auch das Interesse an deutscher Tradition im speziellen an “typisch” deutsche Kleidung für den Tanz. Da jedoch die Tradition seit über hundert Jahren unterbrochen war wurde auf das zurückgegriffen, was die Welt des Films und der Unterhaltung, besonders die der USA, als Bild des Deutschen vermittelten. Erst wesentlich später wurde in den Tanzgruppen das Bedürfnis wach möglichst authentische Trachten zu verwenden. Und so besitzen heute einige Gruppen Trachen die bestimmen Landschaften und Zeitepochen zugeordnet werden können, die wichtig für die Stadtgeschichte oder die Geschichte der Gruppe sind.
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