Den Tanz kann man als das älteste Gesamtkunstwerk auffassen; er umfaßt mehrere Künste in sich: Bewegung, Musik, Gesang (Dichtung), rythmische Bewegungen (Paschen), usw.. Manche Wissenschafter nehmen sogar an, daß der Mensch getanzt hat, bevor er noch Worte bilden konnte, und wenn man den Tanz als Gebärde auffaßt, so ist er auch die älteste und vielleicht heute noch die einzige internationale Sprache.
(Raimund Zoder, 1950)
Der Tanz ist eine Äußerung der Lebenslust, ein Zeichen der Freude und ein Mittel des Vergnügens
( F.M. Böhme, 1886, Geschichte des deutschen Tanzes)
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Warum tanzen?
Seit Anbeginn der Zivilisation gehörte der Tanz in seinen verschiedenen Formen zum täglichen Leben der Menschen. Tänzerische Rituale zur Kriegsführung, zum Dank und Schutz, sowie Fruchtbarkeits- und Jagdzauber begleiteten schon die Naturvölker die als Nomaden duchs Land zogen. Sie hatten ihren Ursprung in der Notwendigkeit des Menschens im Kampf mit der Natur, die Lebesbedingungen zu erzwingen.
Als der Mensch sesshaft wurde und Pflanzen und Ernten seine Lebesgrundlagen waren, wurden Sonne, Mond und Sterne beschworen. Diesen wurde die Kraft das Wetter, von dem die Ernte abhing, zu beeinflussen. So glaubte man eben dass durch Nachahmung der äusseren Form – Kreisform - von Sonne und Mond Macht über diesen gewonnen werden könnte. Sinn und Inhalt der Tänze waren bewusste, zweckgebundenen Handlungen.
Heute ist Mystik meist nicht mehr Motivation des Tanzes. Das Tanzen hat einen sozialen Charakter gewonnen. Wir tanzen um des Tanzens willen, wegen des Bedüfnisses nach Bewegung, der Integration mit anderen Menschen. Speziell der Paartanz ermöglicht die Annäherung der Geschlechter ohne weitergehende Verpflichtungen.
Volkstanz
Die ersten Belege von Volkstänzen in Deutschland, nach der Entstehung des Deutschen Reiches im X Jahrhundert, sind die Neidhartreigen aus dem XII Jahrhundert. Diese Tänze wurden von einem Vortänzer und seiner Tänzerin geleitet, in der Weise dass diese durch Gesang und Gesten vormachten was dann vom Kreis der Mittänzer nachgeahmt wurde . Diese hatten auch einen komödien charakter, denn oft wurden die Ritter beim Kampfe nachgeäfft oder bei m Umwerben der Frauen.
Mit der Einführung der feierlichen Tänze in den fürstlichen Sälen, im Jahre 935, kam die Spaltung in Volks- und Hoftänze. Die Patrizier haben die Tanzart übernommen und in eine Form gebracht die ihnen ehr zusagte, mit schreitenden Einleitungsteilen nach der Art der Polonaise, gefolgt von gedrehten Rundtanzformen die von den Volkstänzen stammten. Die Allemande des XVI und XVII Jahrhundert ist eine der Form der weiterentwicklung dieser Schreittänze, während der zweite Teil der Anfang dessen war was später zum Walzer geführt hat.
Was heute als Volkstanz bezeichnet wird, sind Tänze die lange Zeit zum Leben des Volkes gehörten, uns durch Überlieferung vererbt wurden und so in unsere Realität hinengewachsen sind, auch wenn mit anderer Bedeutung.
Der Volkstanz in Deutschland
In Europa haben die beiden Weltkriege die Volkskultur und somit auch den Volkstanz sehr geschwächt. Deshalb wurde seit Anfang XX Jahrhunderts von verschiedenen Seiten versucht dem Vergessen entgegenzutreten und zur „guten alten Zeit“ zurückzukehren. So wurden nun nach vergessenen oder versteckten Dokumenten geforscht und Wissen ans Licht gebracht. Es wurden sehr strenge Regeln aufgestellt, Tanzform und Tracht betreffend, und auch das Verhalten beim Tanzen und tragen der Tracht wurden eingeschränkt. Doch diese Regeln hatten zum Teil keine historisch fundierte Begründung, sondern reflektierten eher die Vorstellungen wie es in einer gewissen Zeit hätte gewesen sein können. Die Jugendlichen konnten und wollten diesen Einschränkungen meist nicht folgen und zogen es vor diese Generell abzulehnen. Sie wollten tanzen, aus Spass am tanzen, aus Spass etwas anderes zu machen, immer neue und schwierigere Figuren zuerlernen und diese auf der Tanzveranstaltungen vorzuführen. Es war das reine Interesse am Tanz ohne den kulturellen Aspekt zu sehen.
Der deutsche Volkstanz in Blumenau
Die Volkstanzbewegung in Blumenau begann im Jahre 1984, mit der Gründung der Blumenauer Volkstanzgruppe, die dem Kulturverein 25 de Julho angeschlossen ist. Hier hat Herr Harold Letzow, ehemaliger Vorsitzender des Vereins, die Initiative ergriffen und so die kulturelle Arbeit in diesem Bereich aufgenommen. Dieses hätte schon im Vorjahr geschehen sollen, musste aber wegen des Hochwassers verschoben werden. Es war, genau genommen, die Neueinführung einer Tradition, denn bis dahin wurde Tanz fast ausschliesslich in offenen Tanzveranstalltungen, den bailes, als Paartanz gepflegt. Im selben Jahr fand dann auch das erste Oktoberfest unter beteiligung der Blumenauer Volkstanzgruppe statt.
Derzeit gibt es in Blumenau zwölf deutsche Volkstanzgruppen unterschiedlicher Prägung bezüglich ihrer Tänze, Tracht und Traditionen, die gepflegt werden. Gosteils finden wir hier leider die Realität des deutschen Volkstanzes Anfangs des XX Jahrhunderts wieder. Die Jugendlichen sind dabei aber sie wollen tanzen, mitmachen in eine Gruppe als Freizeitbeschäftigung, als Vergnügen, ohne sich wirklich mit der deutschen Kultur zu beschäftigen.
Mit dem Eindringen anderer Kulturen in dem Lebensraum der der Deutschen in Blumenau und dem Bedürfniss die deutsche Kultur wieder aufleben zu lassen, ist die Idee aufgekommen, neben dem in Gruppen organisierten Volkstanz, Tanzkurse mit Schwerpunkt auf dem deutsche Tanzformen anzubieten. Diese Kurse sind derzeit in Vorbereitung und werden ab August dieses Jahres, in zusammenarbeit mit den Schützenvereinen, durchgeführt. Hierzu ist jedermann der gerne tanzt oder es lernen möchte herzlich eingeladen.
Unsere Tänze
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